78. Nakba-Tag

Der 15. Mai markiert den Jahrestag der Nakba, der Katastrophe, die 1948 über das palästinensische Volk hereinbrach: 700.000 Palästinenser:innen wurden vertrieben, Dörfer zerstört, Existenzen ausgelöscht. Auch wenn dieser Tag 78 Jahre zurückliegt, markiert diese Vertreibung kein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte. Die seit knapp 80 Jahren stattfindende zionistische Besatzung, die Enteignung von Land, systematische Diskriminierung und wiederkehrende militärische Angriffe auf die Zivilbevölkerung sind Teil einer fortgesetzten kolonialen Siedlungspolitik durch Israel und seine Unterstützer.

Der andauernde Genozid in Gaza zeigt auf grausame Weise, dass die Nakba somit kein Ereignis der Vergangenheit ist: Gewalt, Vertreibung und Auslöschung werden durch Israel ausgeführt, doch erst durch westliche Staaten wie den USA und Deutschland, deren Waffenlieferungen sowie politische Absicherung im In- und Ausland ermöglicht. Wenn wir also davon reden, dass der Hauptfeind im eigenen Land steht, meinen wir, dass Landnahme und Völkermord am palästinensischen Volk nicht einfach abgekapselt in Palästina geschieht. Die imperialistische Gewalt in Gaza und dem Rest der Welt wird von den Regierungen und Konzernen der imperialistischen Staaten getragen, unterstützt und vorangetrieben.

Heute aktiv zu werden ist daher nicht einfach mit Lippenbekenntnissen der Solidarität mit den Unterdrückten getan, sondern bedeutet, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen diese Strukturen vorzugehen. Aktiv werden heißt, sich gegen Militarisierung einzusetzen, gegen die Profite, die aus Krieg und Vertreibung gezogen werden, gegen jede Form genozidaler Komplizenschaft und gegen die politischen Entscheidungen, die Genozide und Besatzung weltweit überhaupt erst möglich machen.

Das Nakba-Gedenken am 15. Mai bedeutet deshalb, die Kontinuität von Unterdrückung sichtbar zu machen und die Verantwortung der eigenen politischen Verantwortungsträger und Gesellschaft klar zu benennen. Er bietet die traurige Gelegenheit uns in Erinnerung zu rufen, dass der Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit nicht nur in Palästina geführt wird, sondern überall dort, wo militärische Gewalt, imperialistische Interessen und wirtschaftliche Profite Menschenleben zerstören.

Der Nakba-Gedenktag erinnert daran, dass internationalistische Solidarität und antiimperialistische Praxis Hand in Hand gehen: gegen koloniale Strukturen, gegen den Genozid Israels in Gaza, gegen Vertreibung und Besatzung, gegen die Macht derjenigen, die vom Krieg profitieren.

من المياه للمياه

From the River to the Sea – Palestine will be free!