Wer am Abend des 25.11. in Frankfurt zwischen Bahnhofsviertel und Schweizer Platz unterwegs war, ist nicht daran vorbei gekommen, die wütenden Stimmen von rund 350 FLINTAs zu hören. Mit Rufen wie „Dieser Staat schützt mich nicht, meine Schwestern schützen mich“ oder „Frauen die Kämpfen, sind Frauen die leben“, hat das Jin-Jiyan-Azadî-Bündnis Mackern, Sexisten und dem kapitalistischen System den Kampf angesagt.
Eingeläutet wurde die Demonstration mit einer Kundgebung, die um 18 Uhr auf dem Willy-Brandt-Platz begann. Redebeiträge von Young Struggle über YDG, bis hin zu Connect und Aurora machten auf die Verstrickung von kapitalistischen Ausbeutungsverhältnissen und patriarchaler Gewalt aufmerksam. So erklärte etwa die Rednerin des Aurora FemRats wütend in ihrer Rede: „Wir werden in ein männergeschaffenes, gesellschaftliches Ideal gepresst, sollen gleichzeitig pflegen, lieben, erziehen und arbeiten – für weniger Lohn und mit weniger Rechten. Sorge- und Hausarbeit bleiben dabei größtenteils komplett unbezahlt und das, obwohl ohne uns die Mühlen des Kapitals schon lange nicht mehr mahlen würden.“
Besonders im Fokus stand in diesem Jahr aber auch das Thema Militarisierung und die Frage danach, was revolutionäre Feminist:innen der Kriegstreiberei entgegensetzen können. Dieser inhaltliche Schwerpunkt ließ sich auch im Aufruf zur Demonstration wiederfinden: Mit dem Titel „Ihre Kriege — unsere Körper — unsere Antwort: Widerstand“, war die antimilitaristische, internationalistische Grundhaltung der Versammlung von Anfang an gesetzt.
Doch kämpferisch blieb nicht nur die Kundgebung — mit dem Demonstrationszug trug die entschlossene Menge ihre Forderungen nach einer gerechten Zukunft in die umliegenden Viertel.
Gemeinsam waren die Straßen weder zu dunkel noch zu entlegen. Dort wo sich viele FLINTA sonst nicht allein im Dunkeln entlang trauen, hat sich der Demonstrationszug die Straße genommen und verdeutlicht: Solidarität schafft Sicherheit. In Schwesternschaft liegt die Stärke, die dieses System letztendlich ins Wanken bringen wird.
Angekommen auf der Taunusstraße, die in Frankfurt vor allem für ihre Bordelle bekannt ist, wurde die Menge dann noch einmal besonders laut. Hier war es den Demonstrierenden wichtig, sich solidarisch mit der Lebensrealität all jener zu zeigen, die aufgrund materieller Zwänge in die Prostitution gedrängt werden. Laute Rufe verdeutlichten auch allen Schaulustigen: „Geld ersetzt keinen Konsens; Freier sind Täter.“ So sei das Ziel hinter dem kämpferischen Ausdruck, das Unbehagen, das so viele Frauen und Queers alltäglich spüren, auf die Unterdrücker zurückzuwerfen, erläutert eine Demonstrantin, die anonym bleiben möchte. Im Sinne feministischer Militanz, solle demnach erreicht werden, dass die Freier auf der Taunusstraße zumindest in Anwesenheit des Demonstrationszugs Angst bekommen. So sollte die Demo vor allem auch verdeutlichen, „dass der Status quo, indem über Frauenkörper verfügt wird als wären sie Handelsware, nicht länger stillschweigend akzeptiert wird“.
Unterstrichen wurde diese Entschlossenheit im Anschluss mit einem Feuerwerk auf der Untermainbrücke, das den dunklen Winterabend für einen Moment erhellte. Angekommen am Schweizer Platz fand der Demonstrationszug schließlich sein Ende. Freund:innen, Genoss:innen und Schwestern nutzten die freie Straße, um gemeinsam Halay zu tanzen, bevor sich nach und nach alle wieder auf den Weg nachhause machten. Nachhause, zurück in den sogenannten Alltag bedeutet jedoch nicht den Rückzug in die Vereinzelung: „Das Private ist und bleibt politisch. Wir stehen Schulter an Schulter in jeder Lebenslage.“